Gemütlich, gesund, haltbar: Holz als Werkstoff

Ein natürliches Hightech-Material und ein gesunder Baustoff

20.05.2009 Volker Wollny

Holz ist nicht nur schön, sondern auch ein außergewöhnlicher Werkstoff, der sich mit vielen modernen Materialien messen kann und sie teilweise sogar übertrifft.

Holz dürfte einer der vom Menschen am frühesten verwendeten Werkstoffe gewesen sein. Auch in der Steinzeit hat der Mensch vermutlich bereits sehr viel mehr Holz als Stein verwendet. Der Name Steinzeit kommt wohl daher, dass der Stein damals der beste bekannte Schneidstoff, also gewissermaßen die Technologiespitze war. Sicher spielt dabei auch eine Rolle, dass steinerne Gegenstände aus dieser Zeit die Jahrtausende besser überdauert haben als hölzerne: Von einer Axt aus dem Neolithikum wird man die unversehrte steinerne Klinge finden, während vom hölzernen Stiel bestenfalls eine Verfärbung des Bodens übrig geblieben ist.

Holz, der zeitlose Werkstoff

Holz ist sowohl ein sehr alter als auch ein sehr moderner Werkstoff. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich zwar seine Anwendungsgebiete teilweise verschoben, aber veraltet ist es nie. Im Bauwesen etwa wurde Holz an manchen Stellen durch Beton,Stahl und Aluminium, teilweise auch durch Kunststoffe verdrängt, eroberte sich dafür aber mit Hilfe moderner Holztechnologien auch ganz neue Anwendungsgebiete.

Praktisch verschwunden ist, sieht man einmal von der Korbflechterei ab, die Nutzung von Schwachholz und nicht gerade gewachsenem Holz als Werkstoff. Früher verwendete man bewusst krumme Hölzer für entsprechend gebogene Bauteile wie Schiffsspanten oder baute Zäune und andere Dinge aus dünnen Stämmen und Ruten. Heute kommen nur noch gerade gewachsene Stämme ins Sägewerk, alles andere ist Brennholz. Auch als Energieträger nützt man Schwachholz wie etwa Gehölzschnitt erst in neuerer Zeit wieder – und zwar in Form von Hackschnitzeln.

Verdrängt wurde Holz auch als Material für billige Gegenstände, wie etwa Spielzeug aus Massenproduktion. Wo früher minderwertiges Holz eingesetzt wurde, finden heute vor allem Kunststoffe Anwendung. Ausnahmen stellen hier minderwertige Möbel und Teile im Bauwesen dar, die heute aus billigen Holzwerkstoffen wie Faserplatten sind sowie Transportpaletten aus Massivholz geringer Güte.

Aus dem Bereich des gehobenen Möbel- und Innenausbaus konnte das Holz jedoch nie verdrängt werden. Es gab und gibt zwar immer wieder durchaus interessante Experimente mit Metallen und Kunststoffen, doch dominieren hochwertige Massiv- und Sperrhölzer, Furniere und Tischlerplatten auch heute noch sowohl den gehobenen Innenausbau als auch die handwerkliche Möbelschreinerei.

Holz, der natürliche Hightech-Werkstoff

Holz ist so aufgebaut wie viele Hightech-Werkstoffe: Es ist ein Verbundwerkstoff aus zugfester Zellulose und druckfestem Lignin. Nur damit lässt sich erreichen, dass ein Baum im Laufe seines Jahrhunderte langen Lebens viele Millionen Mal vom Wind hin und her gebogen werden kann ohne aufgrund von Materialermüdung zu brechen. Holz weist eine höhere Wechselbiegefestigkeit auf als alle anderen heute bekannten Werkstoffe.

Außerdem besitzt Holz von allen bisher bekannten Werkstoffen das beste Verhältnis zwischen Konstruktionsgewicht und Tragfähigkeit. Deswegen war es viel Jahrhunderte lang praktisch der einzige Werkstoff für den Schiffbau und spielte auch im Flugzeugbau lange Zeit ein wichtige Rolle. Selbst heute ist Holz aus dem Bootsbau und dem Bau von kleinen Flugzeugen noch nicht verschwunden.

Die vielen verschiedenen Baumarten, die es gibt, liefern fast für jeden Zweck das richtige Holz. So sind etwa Eiche und Edelkastanie Hölzer, die eine Art natürlichen Holzschutz in Form von fäulniswidrigen Inhaltsstoffen mitbringen, so dass man sie auch unbehandelt im Freien einsetzen kann. Eine noch ausgeprägtere natürliche Imprägnierung besitzt das Teakholz, dass ohne Anstrich oder sonstige Behandlung Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte im Freien, ja sogar in Seeluft oder im Wasser überdauern kann.

Holz, der heimelige Werkstoff

Holz ist für viele Menschen auch ganz einfach schön. Es wird da eingesetzt, wo man für eine gemütliche Atmosphäre sorgen möchte, typischerweise in Wohnräumen. Holz fühlt sich nicht nur warm an, weil es eine gute Wärmedämmfähigkeit besitzt, sondern symbolisiert Wärme auch gefühlsmäßig. Ein mit Holz ausgestatteter Raum wirkt warm, ganz besonders, wenn das Holz durch Alterung im Licht nachgedunkelt ist.

Allerdings beruht die Gemütlichkeit von mit Holz ausgestatteten Räumen nicht allein auf der gefühlsmäßigen Beziehung des Menschen zu diesem Naturwerkstoff. Auch objektiv darf man dem Holz günstige Eigenschaften zusprechen: Neben der erwähnten guten Wärmedämmfähigkeit reguliert Holz auch die Feuchte der Raumluft, da es quasi atmet: Holz kann überschüssige Luftfeuchtigkeit aufnehmen und sie wieder abgeben, wenn die Luft trockener wird.

Wenn man Holz nicht vorsätzlich und in Innenräumen völlig unnötig mit Chemikalien getränkt hat, geben die weitaus meisten Hölzer auch keine schädlichen Stoffe an die Raumluft ab. Mit Holz wohnt es sich also angenehm und gesund. Und mit das beste dabei: Holz geht nie aus, es wächst immer wieder nach. Obendrein kann man es auch noch, wenigstens wenn man es nicht mit Gift getränkt hat, zum Schluss noch energetisch nutzen, wenn es als Bauteil ausgedient hat.

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